2006 Zeichnend im Dialog

im Dialog mit dem Universum

Im Eingangsbeitrag blieb die Frage nach meiner Faszination für Muster offen. Ich möchte versuchen, meine Erfahrung beim Zeichnen meiner Mandalas und Muster zu beschreiben. Zu Beginn stand nicht der Wunsch, Kunst zu erschaffen oder Produkte mit eigenem Musterdesign. Zu Beginn war nur der Wunsch nach „Halt“; nach irgendetwas, das mich tragen würde, auch wenn alles andere um mich herum einbrechen würde (was damals gefühlt auch so war). Etwas, für das es sich überhaupt lohnt, diesen schnöden menschlichen (Arbeits-)Alltag und engen Handlungsspielraum zu ertragen. Die Freude an allem war mir abhandengekommen, ich habe ganze Tage lang nur geschlafen, weil Aufstehen keinen Sinn machte. Eines Tages schaffte ich es nicht mal mehr in die Arbeit.

Spielerische Entfaltung

Später erst wurde mir klar, dass ich die Verbindung zu mir selbst verloren hatte. Und was ist das Selbst, wenn nicht auch das Universum selbst? Die Frage ist doch: Was will sich in unseren materiell vergänglichen Körpern spielerisch entfalten, was will durch unsere Form sein Potential und seine Möglichkeiten entfalten? Wir Menschen verlieren jeglichen Sinn und jede Bedeutung, wenn wir uns nur als Materie begreifen; wenn wir uns nur als Rädchen in einer fehlgelaufenen Gesellschaftskonstruktion verstehen.

Im Dialog mit dem Selbst

In dieser Verlorenheit begann ich, mit Bleistift auf Papier Kreise zu zeichnen. Es folgten weitere Striche; einer nach dem anderen tauchte auf als sichtbarer Dialog mit mir selbst. Es stellte sich ein Gefühl von „Dialog mit dem Unsichtbaren“ ein, das uns alle hervorbringt und auch wieder zurücknimmt. Mandalas und Muster sind für mich genau dies: ein Dialog mit dem Universum. Für mich die höchste Form von Verbundenheit mit allem, was ist. Überall begegnen uns Mandalas, Muster und Strukturen; überall offenbart sich das Universum, wenn wir offen sind für diese Formen.