Mandalavision geht online

2013 geht Mandalavision mit eigener Domain erstmals online. Als Erinnerung daran, möchte ich den Text, der lange Zeit auf meiner Seite war, erneut veröffentlichen:

Die verborgene Wahrheit im Mandala

Mandalas sind für mich nicht nur ästhetisch schöne Gebilde, sondern enthalten eine verborgene Wahrheit, die der Mensch unbewusst seit Anbeginn seines Seins in sich trägt und Grundlage alles Seins ist.

Mandalas in religiösem Kontext

Ich denke, es ist kein Zufall, dass religiöse Symbole sehr oft Mandalas sind. Nicht nur im Buddhismus, Hinduismus, indianischen und anderen Kulturkreisen finden sich Mandalas, auch unsere christlichen Symbole wie das Kreuz – sofern es gleichschenklig ist -, ein herrlich leuchtendes gotisches Rosettenfenster oder das in der Bibel beschriebene Neue Jerusalem sind Mandalas. Sie tragen die Wahrheit, das Eine in sich und stellen es zwar einerseits sehr unterschiedlich, andererseits in immergleicher Weise dar.

Mandalas in der Natur

Und nicht nur religiöse Symbole, von Menschenhand geschaffen, auch die Natur selbst drückt das in ihr Wirkende ästhetisch aus: Man betrachte Pflanzen, insbesondere ihre Blüten und andere Lebewesen – am besten anhand Ernst Haeckels wunderbaren „Kunstformen der Natur“ -, um zu erkennen, dass der Mensch nur selbst entdeckt und künstlerisch formt, was ihn entstehen ließ und in ihm wirkt. Eben jenes Wirken macht für mich die Faszination meines Schaffens aus: Während ich zeichne und die Zeichnung anschließend mit Aquarellfarben coloriere, weiß ich bis zum letzten Pinselstrich selbst nie, welches Mandala diesmal erscheinen wird – wie ES, jenes Wirkende, diesmal auf dem Papier erscheint und mir dann vorkommt, als sei es immer schon da gewesen.

Mandalas als Improvisation über ein Thema

Meine Mandalas sind also in gewisser Weise alle ein und dasselbe und dennoch je völlig verschieden und einzigartig. Jedes von ihnen verkörpert das Sein zu einem bestimmten Zeitpunkt, welches sich unaufhörlich wandelt und doch immer gleich bleibt. In Verbindung zur Musik sehe ich es so, dass meine Mandalas Improvisationen auf ein Thema sind. Obwohl ich mit denselben Bausteinen arbeite, erklingt bzw. erscheint jedesmal etwas „Neues“. Kreativität ist die Freiheit, innerhalb bestimmter Regeln Neues entstehen zu lassen, welches daraus besteht, für sich und in sich selbst das „Alte“, sich durch alle Zeiten Erhaltende, neu zu entdecken. Die Natur macht es uns vor mit dem Reichtum und der Vielfalt z.B. der Käfer: Der Bauplan ist zwar letztendlich immer der gleiche, aber dennoch gibt es unendliche Variationen an matten und glänzenden Farben, skurrilen Formen und faszinierenden Mustern.

Mandalas als philosophische Struktur

Für mich verkörpern meine Mandalas also zweierlei: zum einen sind sie Variationen eines Themas, die aus dem Moment heraus entstehen; zum anderen sind sie eine Struktur, anhand derer sich philosophisch vieles einsehen und abgleichen lässt, ob Gedanken im Kern dieselben sind.