August 2026: Gewerbeabmeldung

Nach langem Hin und Her habe ich mich nun endgültig entschlossen, das Gewerbe zum 31. August 2026 abzumelden. Ich bin müde: weltmüde, geldmüde, marktmüde.

Das wiederkehrende Thema

Ähnlich wie in einer Komposition bin ich im eigenen Leben wieder beim Leitthema angelangt: Künstlerisch-kreatives Schaffen versus Geldverdienen. Es ist, als würde eins das andere auslöschen. Jedenfalls ist es bei mir so und ich lösche lieber die Chance aus, mit meinem Kunsthandwerk irgendwann einen nennenswerten Umsatz zu machen. Meine Gabe, mich im künstlerischen Prozess zu versenken und einzutauchen in eine Welt, die viel nährender und heilender ist als ein „erfolgreiches“ Business, möchte ich nicht auslöschen. In der ersten Woche nach meinem langen Urlaub wurde mir bewusst, dass ich innerlich erschöpft bin von den Versuchen, meine Schöpfungen zu verkaufen. Ich fühle eine tiefe Müdigkeit. Eine Müdigkeit, die mich an den Zustand erinnert, aus dem heraus ich vor vielen Jahren anfing, Mandalas zu zeichnen.

Zeit für Neuorientierung

Deshalb ist es an der Zeit, mich zu sortieren und neu zu orientieren. Ich tendiere in solchen Situationen dazu, alles hinzuschmeißen. Zum Glück finde ich durch Gespräche und ein paar Nächte Schlaf oft eine andere Lösung; einen Weg, der den Wunsch nach Befreiung vom Alten mit dem Bedürfnis nach „irgendwie weitermachen“ verbindet. Was ist naheliegender als eine erneute Metamorphose von Mandalavision?

Kunst/Kunsthandwerk vs. „Hobby“

Ob mein Tun, die Ergebnisse meines Tuns Kunst sind, das mag jeder für sich entscheiden. Früher hat mich diese Frage und die Einschätzung anderer sehr beschäftigt. Es war eine Kränkung, dass meine Zeichnungen und Bilder bestenfalls als esoterische Symbolik eingeordnet wurden. Ähnlich ging es mir die letzten 5 Jahre mit meinen Accessoires, genäht aus eigenem Stoffdesign. Es war schwierig, den Leuten zu vermitteln, dass ich nicht einfach nur bunte Sachen aus überall und günstigst erhältlichen Stoffen nähe, sondern meine Produkte von A bis Z Eigenkreationen sind. Die Mehrzahl der Menschen ist so weit weg vom Verständnis für kreatives Handwerk und Bearbeitungsprozesse, dass sie einfach nur einen Stand mit allerlei Genähtem sehen, dass sie in jedem Billig-Discounter für einen Bruchteil meines Preises bekommen. Oder das Ganze wird als „Hausfrauen-Hobby“ eingestuft; ganz nett, aber wo ist die Kunst, also das Können? 

Im Übrigen ist mir in Gesprächen oder beim Hören von Gesprächen so manches Mal klar geworden, dass gar nicht verstanden wurde, dass ich alles selbst nähe – ja, nicht einmal das! Viele redeten beim Betrachten meiner Sachen irgendwas über indische oder afrikanische Stoffe und dachten wohl, ich bin nur Wiederverkäufer und verlange horrende Preise. Manchmal konnte ich den Irrtum aufklären, aber siehe da: indisch oder afrikanisch wurde als „Fair Trade“ eingestuft und wertgeschätzt, meine Ware jedoch nicht. Gedankenlos oder dumm, kann ich da nur sagen. 

Ein anderer Punkt, der den Verkauf von individuellen Accessoires schwierig macht: Die meisten Menschen fühlen sich am wohlsten mit global vermarktetem Einheitsbrei in seriös wirkenden oder vermeintlich öko-konformen Farben. Oder sie wollen mit bekannten Marken zeigen, dass sie jemand sind. 

Die es schätzen, sind zu wenige

Es gibt auch die, die sichtlich begeistert sind von meinen Designs. Ab und zu konnte ich auf Märkten beobachten, wie einzelne Menschen direkt auf meinen Stand zusteuerten und sich über die Farben und Muster außerordentlich freuten. Wenn ich zusätzlich erklärte, was sie vor sich sehen, waren sie regelrecht verblüfft, was hinter einem meiner Produkte an Kreativität, Aufwand und Können steckt. Das sind Menschen, die verstehen, dass ein extra bedruckter Meter Stoff etwas Exklusives ist und entsprechende Materialkosten berechnet werden müssen. Menschen, die sich freuen, wenn sie ein ganz besonderes Produkt kaufen können, von einem Menschen mit Liebe und Sorgfalt von A bis Z selbst hergestellt. Diese Menschen gibt es und ich habe im Laufe der 5 Jahre einige kennengelernt; leider sind es nicht genug. Und leider – das muss einfach gesagt sein – sind genau diese Menschen ganz oft nicht in der Lage, Preise für Kunsthandwerk „made in Germany“ zu bezahlen. 

Die Kunst der Verwandlung

Je älter ich werde und je länger ich durch die unterschiedlichen Phasen von Mandalavision gehe, desto weniger interessiert mich, ob irgendwas davon als Kunst oder besonderes Können „anerkannt“ wird. Für mich selbst entwickelt sich Mandalavision als Kunst der Verwandlung; als ein Prozess, durch meine Potentiale zu surfen und eins nach dem anderen in unterschiedlichen Phasen zu entdecken und zu entfalten.

Lebendige Gesundheit

Nach Wolfhard H. König ist Gesundheit die Entfaltung all unserer Potentiale. Mandalavision darf sich wieder diesem Prozess widmen. Die 5 Jahre der Gewerbeanmeldung waren ein Teil davon. Alles Gelernte und Erlebte darf sich nun in den weiteren Prozess integrieren.