Juni 2021: Gewerbeanmeldung
Wenn ich etwas gerne tue, kann ich arbeiten wie eine Wahnsinnige. Dementsprechend produktiv war ich. Die Frage „wohin mit all den Sachen?“ blieb nicht aus. Und deshalb meldete ich im Juni 2021 ein Gewerbe für die Herstellung von Wohn- und Mode-Accessoires an. Ich wollte einen Etsy-Shop eröffnen und ab und zu auf Märkte gehen; so wie es mir früher schon immer gewünscht hatte, als ich noch Kirchenmalerin war und selbst gerne auf Kunsthandwerkermärkten stöberte. Das war der Beginn einer fünfjährigen Reise.
Im Vorschriften- und Regelungswahn
Menschen, die noch nie selbst ein Gewerbe betrieben haben, haben oftmals gar keine Vorstellung, was mit Gewerbe plötzlich alles zu beachten ist. Mit Wohnsitz in der EU und dann auch noch in Deutschland ist der Wahnsinn komplett. In einer globalen Welt sind wir Deutsche eigentlich gar nicht mehr wettbewerbsfähig. Während in anderen Ländern noch nicht mal ein Impressum verpflichtend ist, werden wir mit Vorschriften und Regelungen überhäuft, die ganz oft auch mit zusätzlichen Kosten verbunden sind. Jede Art von Gewerbe hat Spezielles zu beachten. In meinem Fall z.B. die Textilkennzeichnungspflicht, seit neuestem auch die Produktsicherheitsverordnung sowie prinzipiell die Verpackungsverordnung und natürlich die Datenschutzgrundverordnung. Zugleich gibt es Verbote, z.B. die Nutzung von Musikbibliotheken auf Social Media, sobald man in irgendeiner Form gewerblich oder gewinnorientiert unterwegs ist. Naja, oder ich sag´s mal so: du kannst alles machen, wenn du ZAHLST und jemand anders – meistens große Firmen – verdient.
Künstler, kein Kaufmann
An all diese Dinge habe ich vorher nicht gedacht. Genauso wenig, wie ich mich informiert und recherchiert habe, ob meine Produkte gefragt sind und sich verkaufen lassen. Ich bin ja eine derjenige, die etwas aus dem Herzen machen, aus Leidenschaft, und weil die Begeisterung mich antreibt. Außerdem bin ich ein spontaner Mensch. Also habe ich es einfach ausprobiert.